Geschichte der Hacker

Die Ursprünge der Hackerkultur liegen schon länger zurück als die ersten Versuche, Rechner gezielt miteinander zu vernetzen und einen solchen Rechnerverbund zum Zwecke der Kommunikation einzusetzen. Dennoch ist die Geschichte der Hacker - wie im folgenden zu zeigen sein wird - eng mit der Entstehungsgeschichte des heute als Internet bekannten, weltweit größten Computernetzes verwoben. Ohne die technischen Voraussetzungen könnte der Hackerjargon, der Gegenstand dieser Arbeit ist, nicht so existieren, wie er sich heute darstellt.

Es erscheint daher sinnvoll, einen kurzen Überblick über die Entwicklung des Internet zu geben, der allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.


"Das Internet entwickelte sich sozusagen über Nacht [...] von einem kleinen Netzwerk für Forscher zu einem globalen Kommunikationssystem." So beschreibt C. Anderson ( NZZ Folio 1996, 53) in wenigen Worten die Geschichte des Internet und erfaßt damit sogar recht präzise die Entwicklung der letzen drei bis vier Jahre, in denen es einen regelrechten Internet-Boom gegeben hat, der vor allem für die "Veteranen" des Netzes, zu denen die Hacker zu rechnen sind, nicht folgenlos geblieben ist.

Das, was heute landläufig als Internet bezeichnet wird, ist ein "Netz aus Netzen", das sich seit 1969 entwickelte und derzeit unterschiedlichen Angaben zufolge zwischen 70 000 und 90 000 Netze mit etwa sieben Millionen Computern umfaßt, über das weltweit schätzungsweise 50 Millionen Menschen miteinander kommunizieren.13 Die Zuwachsrate liegt bei etwa zwei Millionen neuen Benutzern pro Monat. Dies ist auf mehrere Ursachen zurückzuführen. Zum einen ist es in den letzten Jahren auch für Privatpersonen ohne Zugang zu Universitäts- oder Betriebsnetzen durch die zunehmende Anzahl sogenannter "Provider" leichter geworden, gegen eine geringe Gebühr das Internet zu nutzen. Zusätzlich bieten zahlreiche kommerzielle Online Anbieter (CompuServe, AOL) über Gateways Zugang zum Internet. Zum anderen ist das Internet durch die Entwicklung des WWW (vergl. Kapitel " Dienste im Internet") und dessen grafischer Benutzeroberfläche durch Browser wie Mosaic wesentlich benutzerfreundlicher geworden und auch für Menschen mit nur geringer Kenntnis im Umgang mit Computern leicht zu bedienen. Grundvoraussetzung für die Entwicklung, die das Internet genommen hat, war zudem die PC-Revolution, durch die seit den achtziger Jahren kleinere leistungsfähige Rechner auch in Privathaushalten Einzug gehalten haben und durch die sich das Bild eines "typischen" Computerbenutzers vom "Freak" zu "Otto Normalverbraucher" gewandelt hat.


Der Ursprung des Internet ist ein militärischer, denn das Netz (Arpanet), aus dem sich das Internet entwickelt hat, wurde Ende der sechziger Jahre aus Mitteln der Advanced Research Project Agency (ARPA) des US-Verteidigungsministeriums finanziert und unterstand bis 1984 dem Pentagon. Einziger Hinweis auf diesen Ursprung ist heute das Prinzip, auf dem das Internet aufbaut; es ist keiner zentralen Steuerung unterworfen, sondern zahlreiche Knotenpunkte (zunächst an vier großen US-amerikanischen Universitäten, heute überall auf der Welt) gewährleisten die Aufrechterhaltung der Kommunikationsfähigkeit auch bei Ausfall einer oder mehrerer Verbindungen.14 ( Ramm 1995, 10)

Nach seiner Inbetriebnahme entwickelte sich das Arpanet rasch zu einem Forschungsnetz in zweifacher Hinsicht. Auf der einen Seite tauschten sich über das Netz die Wissenschaftler an den beteiligten Instituten aus, auf der anderen Seite war das Netz selbst Gegenstand wissenschaftlichen Interesses, so daß bald zahlreiche Applikationen für den Netzwerkbetrieb programmiert wurden, die auch heute zu den zentralen Diensten im Internet gehören (v. a. E-mail).

Die Tatsache, daß die Knotenpunkte des Arpanet zunächst Universitäten waren, spielt für die Entwicklung der Benutzergesellschaft eine wichtige Rolle. Es waren nämlich nicht nur Professoren, die Zugang zum Netz hatten, sondern auch Studenten und Graduierte, die besonders in der Anfangsphase starken Einfluß darauf hatten zu bestimmen, in welche Richtung das Projekt sich bewegte. Die Ideen wurden somit nicht von nüchternen Kommunikationsspezialisten geliefert, sondern von jungen und kreativen Menschen, die etwas Neues schaffen wollten und ohne großen Materialaufwand am Netz herumbastelten.

Bald war das Netz von diesen Menschen bevölkert, von denen sich viele den Hackern zugehörig fühlten. Sie bereicherten das Netz nicht nur durch brillante Programme und clevere Hardware, sondern auch durch die ihnen eigene Ethik, der sie sich als "Woodstock-Generation" verbunden fühlten. "The Internet was built by people who lived and breathed the hacker ethic." ( TIME Special Issue 1995, 7) Zentrale Punkte der Hackerethik sind u. a.:

offener Zugang zum Netz für alle
Informationen sollen für jederman frei zugänglich sein
jeglicher Form von Autorität, vor allem in Gestalt von Militär oder Politik, ist zu mißtrauen. ( Spiegel 11/96, 88)
Dies und die dezentrale Organisation sind die Ursachen für die Struktur, die das Internet zumindest bis zum Boom der letzten Jahre auszeichnete: "The Internet [...] is open (nonproprietary) and rabidly democratic. No one owns it. No single organisation controls it." ( TIME Special Issue 1995, 7)

Die Begeisterung der Hacker für das Netz führte nicht nur zur Entwicklung von Anwendungen, die ausschließlich der wissenschaftlichen Arbeit dienten, sondern auch zu solchen, die den Austausch von Informationen von nicht rein technischem Interesse förderten oder den Spieltrieb befriedigten. So entstanden u. a. newsgroups und MUDs (vergl. Kapitel " Dienste im Internet"). Mit Zunahme der im Netz verfügbaren Informationen entstanden zudem Werkzeuge, mit deren Hilfe diese Flut zu bewältigen war (z. B. Gopher, WWW).

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Hacker-Ethik

  • Alle Informationen sollen frei sein
  • Misstraue Autoritäten, fördere Dezentralisierung.
  • Hacker sollten nach den Fähigkeiten ihres Hackens beurteilt werden, nicht nach Titel, Alter, Rasse oder Position.
  • Zugang zu Computern und allem, was dich darüber lehrt, wie die Welt funktioniert sollte absolut und ohne Limits sein. Hebe deine Hand immer gegen das Imperative!
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